Die Grenze zwischen Irland und Nordirland hat ein enormes Konfliktpotenzial. Besonders der Brexit stellte und stellt die Region vor besondere Herausforderungen. Es wird befürchtet, dass die Gewalt der „Troubles“ der späten 60er bis 90er Jahre des letzten Jahrhunderts erneut aufflammt. Doch was sind die Wurzeln dieses Konflikts, in dem sich bis heute zwei Bevölkerungsgruppen teils immer noch unversöhnlich gegenüberstehen?
Im Rahmen eines Erasmus+-Kurses wurde uns Ende September bei der Europass Teacher Academy in Dublin die Möglichkeit geboten, mehr über die Hintergründe und die aktuelle Situation in der Region zu erfahren. Neben Recherchen, Diskussionsrunden und Museumsbesuchen in Dublin bildeten 2 Exkursionen die Basis dieser Fortbildung.
Unsere erste Fahrt führte uns in das Battle of the Boyne Visitor Centre unweit von Drogheda. Die Schlacht am Boyne 1690 war die größte Schlacht, die jemals auf irischem Boden stattgefunden hat. Sie war so bedeutend, dass sie bis heute symbolhaft für die Spannungen zwischen den protestantischen britischen Loyalisten und den katholischen irischen Republikanern in Nordirland steht. Jedes Jahr finden Anfang Juli in vielen nordirischen Städten Paraden statt, um der Schlacht am Boyne und des Siegs der Protestanten zu gedenken, welche aber gleichzeitig eine Provokation für die Katholiken darstellen.
Wie tief diese Wunden sitzen, wurde uns während unserer Exkursion nach Belfast bewusst. Noch bis zum heutigen Tage sind dort katholische und protestantische Wohngebiete durch meterhohe Zäune und dicke Stahltore, die jede Nacht geschlossen werden, voneinander getrennt, um Ausschreitungen zu verhindern. Riesige Wandbilder säumen die Straßen, welche, je nach Wohngegend, entweder die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich feiern oder den Anschluss an die Republik Irland fordern.
Einen besonderen Gänsehautmoment erlebten wir beim Besuch des Eileen Hickey – Irish Republican History Museums. Wir hatten die Gelegenheit mit einem Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Sehr eindringlich ließ er uns an seinen Erlebnissen während der Troubles teilhaben. Er sprach über seine Inhaftierung, die Haftbedingungen, seinen Hungerstreik, einschließlich Zwangsernährung und schließlich über seine Flucht aus dem Gefängnis.
Wir haben die grüne Insel mit einem reichen Erfahrungsschatz, vielen interessanten Materialen und neuen Unterrichtsideen im Gepäck verlassen.
Helga Thomas-Lulaj, Antje Langula
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